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HOW TO EXCUSE

Wie weit in der Geschichte muss man sich zurück-entschuldigen? Was würde passieren, wenn ausgewählte Schuldige sämtlicher Epochen sich versammeln und beginnen ihrer Verantwortung nachzukommen? Ab welchem Punkt hätte Geschichte anders verlaufen können? In Zusammenarbeit mit 6 Kindern und Jugendlichen und in verschwenderischer Verzahnung mit Rechercheergebnissen, Spekulation und Spielvergnügen hat &sistig ein Stück über prachtvolle, bitter notwendige, fabelhafte, bissige und utopische Entschuldigungen entwickelt. Jugendliche Darsteller_innen schlüpfen an diesem Abend in die Rolle von ausgewählten historischen und topaktuellen Persönlichkeiten, deren Entschuldigungen die Welt in unseren Augen bitter nötig hätte! Die Performance benutzt die Entschuldigung als Gedankenexperiment - als kreatives Vehikel für zweifelhafte Zeitsprünge und unerwartete Verbindungen. Aus einer anders bewerteten Vergangenheit schöpfen wir die Möglichkeit, Handlungsspielräume im Jetzt neu zu entwerfen.

Wir fragen uns: Wie sollte eine Entschuldigung gebaut sein, damit sie Taten nach sich ziehen MUSS? Wenn wir Entschuldigungen imaginieren, werden dadurch Taten in der gegenwärtigen Realität anders möglich? Kann die Fiktion die Realität unter Zugzwang setzen? Das Stück stellt Fragen nach Verantwortung, Konsequenz und Stellvertretung - kann man sich “für jemanden” entschuldigen? Lässt sich durch die Veruntreuung/ Distribution einer Autor_innenschaft der Schuld das Potenzial für eine solidarischere Praxis bergen?

Kinder, als symbolische Figurationen der Unschuld, sind in HOW TO EXCUSE alles, nur das nicht. Sie sind schlau, gewitzt, effizient und kalkuliert, machen sich schuldig, übernehmen Verantwortung - und das besonders an Punkten, die sie gar nicht betreffen KÖNNEN. Sie tun was notwendig ist und machen notwendig, was getan werden muss! HOW TO EXCUSE wagt einen dokumentarisch-phantastischen Ritt durch Geschichte und Repräsentationen des Entschuldigens und imaginiert Verantwortlichkeiten neu. Eine Untersuchung zur (Un-)Möglichkeit einer Geste und der Versuch, nichts unversucht zu lassen.

CREDITS
Von und mit: Melina Anastasopoulou, Ainoa Badji, Olivia Braun, Manuel Garelli, Yuuki Gürtler und Liou Kleemann
Stimme Stein: Nina Mentrup
Konzept, Text & Regie: Bastian Sistig
Text & Dramaturgie: Hanna Steinmair
Bühne: Marie Gimpel
Kostüm: Josephine Hans
Sound: burgund t brandt
Licht: Florian Fink
Produktionsleitung: Chiara Galesi
Presse: Kerstin Böttcher
Kamera & Schnitt: Brian Karp
Dokumentation: Jonas Fischer
Grafik: Amelie Neumann
Technische Betreuung: Stephan Mäusel & Nico S.
Sprechcoaching: Sarah Hoffmann
Outside-Eye: Max Brands
Text-Exzerpt, Szene 4: Pumla Gobodo-Madikizela aus „A Human Being Died That Night. A South African Story of Forgiveness“

Fotos © Jonas Fischer
Premiere: 05.12.2019, Theaterdiscounter, Berlin